DIE ZWEIFACHE RETTUNGSAKTION EINER “BIBEL”:

www.lebens-werter-leben.com die Unglaubliche Rettung

Vor vielen Jahren schritt ein Vater mit seinem kleinen Sohn den Strandweg zwischen Norwich und Yarmouth an der englischen Küste entlang. In düsterem Schweigen zog der Mann das Kind hinter sich her. Sein gerötetes, aufgedunsene Gesicht zeigte deutlich, welchem Laster er frönte, und sein schwankender Gang verriet, dass er auch an diesem Tag wieder über den Durst getrunken hatte. Auch des Kindes Gang war unsicher, aber nicht von Trunkenheit. Man brauchte nur einen Blick auf die zarte, kleine Gestalt, die schmalen, blassen Bäckchen und die dürftige Kleidung zu werfen, um zu sehen, woran es fehlte.

                                                                                                                

Das Geld, für das der Vater seinem Kind Nahrung und Kleidung hätte kaufen sollen und können, gab er für Branntwein aus.Endlich brach der kleine Tom das Schweigen. “Ich habe solchen Hunger, Vater! Bitte, gib mir ein Stückchen Brot!” “Schweig!” fuhr ihn der unnatürliche Vater an. “Aber wenn du wüsstest, wie hungrig ich bin!” wagte der Kleine noch einmal zu sagen. “Willst du augenblicklich den Mund halten?! Kann ich dir denn Brot hier unter dem Sand wegholen?” knirschte der Trunkene in verhaltener Wut.

Der Kleine schleppte sich mühsam weiter. Aber Hunger tut weh, und so bat er schließlich noch einmal: “Vater, gib mir doch ein Stückchen Brot!” Da fasste der Trunkene das Kind, und außer sich vor Wut, schleuderte er es ins Meer. “So, jetzt bin ich dich ein für allemal los!” brummte er dann vor sich hin und – torkelte weiter.

Die Wogen warfen den kleinen Körper hin und her. Aber sie waren barmherziger als der Vater des armen Kindes. Ein Auge der Liebe wachte über ihm. Gott wollte nicht, dass Tom in den Wellen um kam. Er blickte vom Himmel auf ihn herab und ließ ihn einen schwimmenden Balken finden, den das Kind im Selbsterhaltungstrieb krampfhaft umklammerte. Aber der Balken allein hätte dem kleinen Tom keine Rettung gebracht. Ein Kriegsschiff musste nach göttlicher Vorsehung in der Nähe vorbeifahren. Die Matrosen sahen den treibenden Balken. Sie setzten ein Boot aus, und bald hatten sie den Kleinen, der dem Ertrinken nahe war, aus dem Wasser gefischt. 

 

 

Auf dem Schiff wurden alle Mittel angewandt, um die geschwundenen Lebensgeister des Kindes wieder aufzuwecken, und es gelang. Dank der freundlichen Pflege der Matrosen erholte sich der Junge rasch. Als man ihn aber nach einigen Tagen fragte, wie er ins Wasser gekommen sei, wie er heiße und wo er wohne, konnte man nichts anderes aus ihm heraus bekommen als: “Ich heiße Tom.” Weiter schien er nichts zu wissen. Wenigstens sagte er nicht mehr. Man beschloss nun, den Kleinen auf dem Schiff zu behalten und für ihn zu sorgen. Seine sanfte Art, sein zutrauliches Wesen und sein klarer Verstand gewannen ihm bald die Zuneigung aller an Bord, und jeder bemühte sich, etwas für ihn zu tun. So wuchs Tom fröhlich unter den Matrosen und Offizieren des Kriegsschiffes auf.

Als er das Alter erreicht hatte, in dem junge Leute einen Beruf ergreifen müssen, beschlossen die Offiziere, Tom auf ihre Kosten studieren zu lassen. Sie glaubten, er habe das Zeug dazu, mehr als ein gewöhnlicher Matrose zu werden. Sie hatten sich nicht getäuscht. Tom studierte fleißig, erwarb sich zur gegebenen Zeit den Doktortitel und erhielt bald eine Anstellung als Schiffsarzt auf einem Kriegsschiff der englischen Flotte. Hätte der junge Arzt nun den gekannt, der in so wunderbarer Weise über seinem Leben gewacht und es fremden Menschen ins Herz gegeben hatte, ihn zu versorgen und zu erziehen, so wäre sein ferneres Leben gewiss ein einziges fröhliches Dankopfer für ihn gewesen.

 

Aber nie hatte man ihm von dem Gott der Liebe erzählt, viel weniger von seiner Gnade, die in Jesus Christus, seinem Sohn, erschienen ist, heilbringend für alle Menschen. Er glaubte sein Wohlergehen nur denen zu verdanken, die ihn aus dem Wasser gezogen, versorgt und aufgezogen hatten, und diesen Dank blieb er nicht schuldig. Den Herrn aber, der über allem steht, der die Geschicke der Menschenkinder lenkt und der gerade an ihm seine Güte so besonders groß gemacht hatte – ihn kannte er nicht, und deshalb liebte er ihn auch nicht. Es war Krieg ausgebrochen zwischen Frankreich und England. Tom hatte alle Hände voll zu tun, um den Sterbenden und Schwerverwundeten, die täglich eingeliefert wurden, die Leiden nach Möglichkeit zu erleichtern.

Nach einer schweren Seeschlacht, in der das Schiff, auf dem Tom Dienst tat, ein feindliches Fahrzeug erbeutete, gab es wieder zahlreiche Verwundete an Bord. Unermüdlich eilte der junge Arzt von einem zum anderen. Ein älterer, schwer verwundeter Mann, der durch starken Blutverlust sehr geschwächt war, fesselte seine Aufmerksamkeit in besonderem Maß. Er fühlte sich merkwürdig zu diesem Mann hingezogen und bemühte sich in jeder Weise, ihm zu helfen und sein Leben, wenn möglich, zu erhalten. Aber die Kräfte des Verwundeten nahmen täglich ab.

Eines Nachmittags hielt Tom sich länger als gewöhnlich am Lager des Verwundeten auf. Der Kranke fühlte sein Ende nahen. Aus Dankbarkeit für die hingegebene Pflege, die ihm zuteil geworden war, wünschte er seinem Wohltäter ein Zeichen seiner Liebe zu hinterlassen. Das einzige, was er besaß, war – eine Bibel. Mit zitternden Händen überreichte er das schlichte, aber so wertvolle Buch dem jungen Arzt. Tom hatte kaum je eine Bibel gesehen, geschweige denn darin gelesen. Der Sterbende erzählte, dass er dieses Buch von einer fremden Dame empfangen habe. Beim Lesen hatte Gott ihm die Augen geöffnet und ihm gezeigt, welch ein schrecklicher Sünder er war. Zugleich aber hatte er ihm auch Christus vorgestellt, den Sündenheiland, in dessen Blut jeder Glaubende von allen seinen Sünden reingewaschen werden kann. Er hatte geglaubt und so Ruhe gefunden für seine Seele. “Und nun, Herr Doktor”, schloss der Sterbende, “bitte ich sie herzlich, lesen sie dieses Buch, lesen sie es unter Gebet, damit auch ihnen dieses große Glück, das ich empfangen habe, zuteil werde. Ich habe mit heißen Tränen beweint, dass ich so viele, viele Jahre der Sünde gedient habe.

                                                                           

 

Sie sind noch jung. O bitte, suchen sie den Herrn – heute!” Er hielt inne. Aber Tom sah, dass er noch nicht zu Ende war. Er schien noch etwas auf dem Herzen zu haben, dessen Mitteilung ihm schwer wurde. Freundlich ermunterte Tom den Kranken, ihm zu vertrauen, falls er noch etwas zu sagen habe. Da bekannte der sterbende Krieger mit einer vor Bewegung zitternder Stimme, dass er vor ungefähr dreiundzwanzig Jahren sein Söhnchen, ein liebes, artiges Kind, in einem Wutanfall ins Meer geworfen habe, weil es ihn in seinem quälenden Hunger wiederholt um Brot gebeten hatte. Diese unselige Tat habe seitdem furchtbar auf seiner Seele gelastet, und auch nach seiner Bekehrung habe er den Schmerz darüber nicht überwinden können.

Man kann sich denken, mit welchen Empfindungen Tom dieses Bekenntnis anhörte. Doch seine Gefühle verbergend, forschte er, wo sich der schreckliche Vorfall abgespielt habe. “Zwischen Norwich und Yarmouth”, lautete die Antwort.”Wie alt war das Kind?” “Ungefähr vier Jahre.” “Und wie hieß der Junge?” Schluchzend erwiderte der Sterbende: “Tom.” Nun konnte sich der Arzt nicht länger halten. Den Kopf auf das Kissen des Sterbenden legend, stieß er hervor: “Ich bin Tom, und sie – sind mein Vater.” Starr blickte der Sterbende den neben ihm Knienden an. Es dauerte eine Weile, bis er zu fassen vermochte, dass er den Sohn, den er so sicher ertrunken geglaubt, lebend vor sich sah, dass Gott ihm das Kind, an dem er sich so schwer versündigt hatte auf solch wunderbare Weise wieder schenkte. Dann aber verbreitete sich ein unbeschreiblicher Ausdruck über das eingefallene Gesicht. Befreiung von dem furchtbaren Seelendruck,unnennbares Glücksgefühl und ein Dank, der nicht in Worte gekleidet werden kann – alles lag darin. Und als dann der Sohn noch das eine und andere davon erzählt hatte, wie er gerettet und wie er zu der Stellung gekommen war, die er jetzt einnahm, da stieg ein Dankgebet zu dem barmherzigen Gott, der alles so gnädig geführt hatte, aus übervollem Herzen nach oben, so innig, so ergreifend, dass dem lauschenden Sohn die Tränen über die Backen liefen.

                                                                                                               

“Und nun, mein Sohn”, sagte der Sterbende, nachdem er sich ein wenig gefasst hatte, “bitte ich dich um so inniger, lies die Bibel deines Vaters, lies sie unter Gebet, damit auch du das in ihr findest, was allein für ewig glücklich machen kann.”Erschöpft sank der alte Mann zurück. Die Blässe des Todes überzog sein Gesicht. Aber das glückliche Leuchten blieb. “Nun, Herr, entlässest du deinen Knecht in Frieden”, flüsterte er. Noch in der gleichen Nacht starb er glücklich und voll froher Zuversicht in den Armen seines Sohnes. Das wunderbare Erlebnis, die tiefe Freude des Vaters, seine Worte der Liebe, vor allem aber sein glücklicher, friedvoller Heimgang machten tiefen Eindruck auf Tom.

Er begann sogleich in der Bibel zu lesen, in der ja alles neu für ihn war. Und je mehr er las, desto größer wurde sein Verlangen, die Tiefen dieses Buches zu erforschen. Gott segnete das Lesen an dem Herzen des jungen Mannes. Er erkannte, dass sein vergangenes Leben, obwohl nach außen hin tadellos, nutzlos und eitel war, und dass er einer besseren Gerechtigkeit bedurfte als der eines sogenannten guten Lebens. So kam er als verlorener Sünder zu Gott, und Gott lenkte seinen Blick auf Jesus, das Lamm Gottes, das für Sünder starb. In dem Blut des teuren Gotteslammes fand auch Tom Frieden und das Bewusstsein seines ewigen Heils.

Damit begann ein ganz neues Leben für den jungen Arzt. Nachdem er selbst den kostbaren Schatz gehoben hatte, versäumte er fortan keine Gelegenheit, auch andere damit bekannt zu machen. Sein Beruf gab ihm dazu ja die beste Gelegenheit. Von da an war er erst ein richtiger Arzt, der seinen Kranken Mittel geben konnte für die Krankheiten des Leibes und der Seele.

Eine weitergegebene Bibel rettete zwei Menschen! aus  “Der Missionsbote”, Februar 2001:

MISSIONSBOTE FEBRUAR 2001

MATTHÄUS 4,4:
4 Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben (5.MOSE 8,3): Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.